Heilbronn – Den Geburtstag an der Schule verbringen. Was von so manchem Schüler und Lehrer wohl eher als Strafe angesehen würde, war für Bischof Dr. Gebhardt Fürst ausdrücklicher Wunsch. Am Montag, den 2. Dezember feierte er gemeinsam mit Lehrern und Schülern des Katholischen Freien Bildungszentrums St. Kilian seinen 65. Geburtstag. Mit dieser Geste unterstrich der Bischof seine Verbundenheit und Wertschätzung zu den Schülern, Lehrern und Mitarbeitern der über 90 Katholischen Freien Schulen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.    

Los ging es um 10:00 Uhr auf dem Schulhof. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Schulleiter Herr Hennen und Frau Heinrichs übernahmen die Schüler des Bildungszentrums das Programm. Ein Geburtstagsständchen des Grundschulchors eröffnete den Reigen der Darbietungen, gefolgt von einem Adventsimpuls, einer Tanzvorführung und einem Improvisationstheater. Nach diesem schwungvollen Auftakt gingen die Schüler zurück in ihre Klassen und der Bischof nutzte die Gelegenheit, bei einem Unterrichtsbesuch praktische Einblicke in die Marchtaler-Plan-Pädagogik zu bekommen.

Im Anschluss an den Unterrichtsbesuch stand eine Gesprächsrunde mit den Schülervertretern und Klassensprechern des Bildungszentrums auf dem Programm. In einer lockeren Gesprächsatmosphäre beantwortete Bischof Fürst die Fragen der anwesenden Schüler und gewährte einige persönliche Einblick in seinen Arbeitsalltag. Mit einem Ehrenschülerausweis wurde der Bischof anschließend in die Schulgemeinschaft des Bildungszentrums aufgenommen. Nach einer kurzweiligen Schulführung, die von Schülern der Klassen 5,6,7 und 9 gekonnt und mit viel Charme organisiert wurde, ging es um 13:00 Uhr zum gemeinsamen Mittagessen in die Mensa des Bildungszentrums.

Für den Nachmittag wurde eine Podiumsdiskussion mit dem Bischof zum Thema - „Welchen Bildungsauftrag haben kirchliche Schulen?“ organisiert. Podiumsgäste waren Prof. Dr. med. Marcus Hennersdorf, Direktor des Klinikums am Gesundbrunnen in Heilbronn, Thomas Wagner, Ausbildungsleiter der Würth Gruppe und Ute Augustyniak-Dürr, Schulreferentin der Diözese Rottenburg Stuttgart. Moderiert wurde das Podium von Ulrike Nowak vom Südwestrundfunk.  

In der bis zum letzten Platz gefüllten Aula der Schule erklärte der Bischof, dass katholische Schule ein Ort sein müsse, an dem die einzigartige Würde jedes Menschen geachtet werde und echte Wertschätzung im Alltag erlebbar sei. Dies schließe die gesamte Schulgemeinschaft mit ein. Den Schülern müsse glaubhaft vermittelt werden, dass sie vor aller Leistung, mit ihren Stärken und Schwächen, angenommen sind. In diesem Klima können sich die Schüler in Freiheit entwickeln und ihre Begabungen auf fachlicher und personaler Ebene entfalten.    

Für Prof. Dr. Hennersdorf, dessen Sohn Schüler am Gymnasium des Bildungszentrums ist, war das katholische Profil ein wichtiges Kriterium bei der Schulwahl, obwohl er selbst evangelisch sei. Neben dem notwendigen fachlichen Wissen sei gerade ein gutes Wertefundament christlicher Prägung ein wertvolles Rüstzeug für das weitere Leben und gebe den jungen Menschen Halt und Stabilität.

Thomas Wagner berichtete aus seiner Berufspraxis, dass Bewerber aus Freien Schulen häufig ein überdurchschnittliches Maß an Selbstständigkeit, Kreativität und Selbstvertrauen mitbrächten. Insbesondere Absolventen kirchlicher Schulen hätten im Bereich Sozialkompetenz häufig einen Vorsprung gegenüber anderen Bewerbern.

Die Schulreferentin der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Ute Augustyniak-Dürr, unterstrich, dass bei allen pädagogischen Überlegungen der Mensch als Abbild und Geschöpf Gottes im Mittelpunkt stehen müsse. Dafür biete der Marchtaler Plan eine ideale Voraussetzung. Wichtig für die Strahlkraft  katholischer Schule sei auch, so Augustyniak-Dürr weiter, dass die Lehrer sich im Grundsatz zur christlichen Botschaft bekennen und durch entsprechende persönlichkeitsbildende Fortbildungsmaßnahmen unterstützt werden müssen.

Zum Abschluss des Festtages gab es noch eine große Geburtstagstorte für den Bischof, die in der adventlich dekorierten Mensa bei einer gemütlichen Tasse Kaffee direkt verkostet wurde.  

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