Expertengespräch mit Prof. Dr. Fensterle zur Bioethik im Studienkolleg Obermarchtal

Ende des vergangenen Jahres sorgte die Ankündigung eines chinesischen Arztes und Forschers für Aufsehen, dass Zwillingsbabies auf die Welt gekommen seien, deren Erbgut mit Hilfe der Genschere CRISPR-Cas9 verändert worden sei. Man sprach von einem Tabubruch. Die Jahrgangstufe 2 des Studienkollegs Obermarchtal hatte im Rahmen des Religionsunterrichts Gelegenheit, mit Prof. Dr. Joachim Fensterle sowohl über CRISPR-Cas9 als auch über die bioethischen Konfliktfelder, die sich daraus ergeben, zu diskutieren.

Joachim Fensterle ist Professor für Biotechnologie und Bioengineering an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve und zeigte in seinem Vortrag vor allem, mit welcher enormen Dynamik sich die Biotechnologie seit der Entdeckung dieses neuen Werkzeugs entwickelt. Damit war das Gespräch zwischen Naturwissenschaft und Ethik eröffnet. Vor allem wurde deutlich, dass die ethischen Problemfelder, die sich insbesondere bei einer Anwendung beim Menschen, möglicherweise sogar in der Reproduktionsmedizin ergeben, bisher noch nicht breit diskutiert werden.

Fensterle zitierte die Genforscher Jennifer Doudna und Samuel Sternberg mit dem Satz: „Stellen Sie sich eine Zukunft vor, in der Menschen mit mehr Geld dank ihrer privilegierten Gene längere und gesündere Leben führen.“ Mit diesem Satz wurde klar, dass es um mehr geht als um Sicherheit und Technikfolgenabschätzung. Es geht um unser Menschenbild und um die Zukunft der Gesellschaft - und damit geht es uns alle an.

 

 

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