Bereits zum zweiten Mal war eine Gruppe von 15 Schülern und Lehrern des Studienkollegs Obermarchtal ein Wochenende lang gemeinsam auf einem Pilgerweg unterwegs. Nachdem wir im letzten Jahr im Rahmen des Jubiläums einige Kilometer auf dem Jakobusweg zurücklegten, wählten wir in diesem Jahr den Martinusweg. Bepackt mit Schlafsäcken und Isomatte führte die Route von Oberteuringen über Friedrichshafen nach Langenargen. Und was nach Muskelkater und hartem Boden klingt, erwies sich erneut als eine wertvolle gemeinsame Auszeit im Alltag des Schulbetriebs. Kein Inhalt, keine Vorbereitung auf Klassenarbeiten, sondern einfach gemeinsame Zeit und gute Gespräche über Gott und die Welt standen im Vordergrund.

Ausgesendet wurde die Gruppe in der Martinuskirche in Oberteuringen von Pfarrer Müller. Er ermutigte uns, den Heiligen Martin sozusagen mit auf den Weg zu nehmen als ein Vorbild von Freiheit und Selbständigkeit. Als kleine Wegzehrung stand ein Korb voller Bodenseeäpfel bereit. So ging es gestärkt durch die blühenden Obstwiesen Richtung Friedrichshafen. In Raderach wurden wir von einem Regenschauer überrascht – was allerdings die Stimmung eher hob als senkte, denn 15 regendicht verpackte Menschen und Rucksäcke sind schon ein lustiger Anblick.

Immer wieder gab es Momente, in denen wir anhielten, sei es, um den Rucksack für einen Moment abzusetzen oder die Regenjacke aus- oder anzuziehen, sei es um Eindrücke, Gefühle und Gedanken in dem kleinen Büchlein festzuhalten, das wir zu diesem Zweck bekommen hatten. Leider gibt es auf dem Martinusweg im Gegensatz zum Jakobsweg (noch?) keine Stempel am Weg, die quasi als Belohnung für die gegangene Strecke ins Büchlein gestempelt werden können.

Am Nachmittag erreichten wir die Bodenseeschule St. Martin in Friedrichshafen. Zu unserer Gemeinschaft kam nun die erlebte Gastfreundschaft und Verbindung zwischen den katholischen Schulen, denn der Schulleiter Herr Schöll hatte uns einen ganzen Bungalow inklusive Dusche und Küche zur Übernachtung zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank noch einmal dafür!

Am Morgen und am Abend kam die Gruppe zu inhaltlichen Impulsen zusammen. Dabei entdeckten wir, dass die Geschichte von der Mantelteilung eigentlich nur auf den Punkt bringt, was den Charakter dieses Mannes ausgemacht haben muss: den Mut, den eigenen Weg zu gehen, die Kraft, einzugreifen, wenn es Not tut, und die tiefe christliche Überzeugung. Nicht zuletzt kommt dazu die europäische Weite. Martin wurde im heutigen Ungarn geboren, wuchs in Italien auf und wirkte vor allem in Frankreich – ein Leben, das uns heute dazu anregt, über Grenzen hinaus zu denken.

Martin ist also viel mehr als „nur“ ein Heiliger für Laternenumzüge und Kindergartenlieder. Trotzdem bleibt er mit Laternen und Liedern verbunden. Deshalb bastelten wir an unserem „Ziel“ in Langenargen in einem Abendkreis am Bodensee kleine Lichttüten mit verschiedenen Martinsdarstellungen. Es fiel manchen von uns schwer, diese vor dem Nach-Hause-Weg ins Feriendorf auszublasen. Am Sonntag ging es nach dem Gottesdienst in Langenargen bei strahlendem Wetter zurück – im Gepäck viele neue Eindrücke und das Gefühl, dass auf das zweite Pilgerwochenende in diesem Jahr sicherlich ein drittes im kommenden Schuljahr folgen wird.

Britta Frede-Wenger

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