Augsburg - Der Marchtaler Plan ist ein alternatives Schulkonzept der katholischen Schulen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Unter dem Leitwort "Zur Freiheit berufen" (Gal 5,13) legt die Marchtaler-Plan-Pädagogik ihren Schwerpunkt auf die personale Würde des jungen Menschen in seinem Streben und seinem Recht auf ein bewusst geführtes und frei gewähltes sinnerfülltes Leben.

Veranstalter des ersten Marchtaler-Plan-Kongresses in Bayern am 18. und 19. November waren das Katholische Schulwerk in Bayern und das Schulwerk der Diözese Augsburg. Gefördert wurde die Veranstaltung, die im Augsburger Haus St. Ulrich stattfand, von der Pädagogischen Stiftung Cassianeum in Donauwörth. Große Unterstützung inhaltlicher Natur bekamen die Verantwortlichen von der Stiftung Katholische Freie Schule (SKFS) der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Dass die Marchtaler-Plan-Pädagogik in Bayern auf großes Interesse stößt und bereits auch tatkräftig umgesetzt wird, zeigte allein schon die Teilnahme von über 150 Delegierten aus sämtlichen Schularten. Ulrich Haaf, Direktor des Schulwerks der Diözese Augsburg, freute sich über den "großen Zuspruch von allen Seiten". Er wertete es als "sehr gutes Zeichen", dass sowohl "Interesse als auch Bedarf" an diesem reformpädagogisch orientierten Konzept bestehe. Dr. Andreas Hatzung, Direktor des Katholischen Schulwerks in Bayern, betonte unter anderem die hohe Qualität des inhaltlichen Arbeitens im Rahmen des Marchtaler Plans. Stiftungsdirektor Harald Häupler sprach in Vertretung von Bischof Dr. Gebhard Fürst (Diözese Rottenburg-Stuttgart) dessen Grußwort, in welchem dem Auditorium auch nahegelegt wurde, immer zu beherzigen, dass dem Unterricht im Allgemeinen "kein strategisches sondern kommunikatives Handeln" zu Grunde liegen müsse.

Unter dem Titel "Als Abbild geschaffen, zur Vollendung berufen – biblische Anthropologie als Fundament des Marchtaler Plans" referierte Dr. Berthold Saup, Direktor i. R. der SKFS der Diözese Rottenburg-Stuttgart, unter anderem über Ursprung und Grundlagen der Anthropologie mit dem Menschen als sich selbst suchendem Wesen im Mittelpunkt. Bezüglich des Marchtaler Plans formulierte der langjährige Stiftungsdirektor die zentrale Frage schlechthin: "Wie machen wir heute, inmitten der Brisanz unserer modernen Welt, die Würde des Menschen, sein Personsein, seine Freiheit und seine Verantwortung so zum Inhalt von Erziehung und Bildung, dass junge Menschen davon ergriffen und durchformt werden?" Saup verwies auf das Gleichnis vom Sämann und statuierte, dass alle Lehrer gemeinsam für das Säen verantwortlich seien.

Professor Dr. Wolfgang Schönig von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sprach anschließend zum Thema "Der Marchtaler Plan – Eine Herausforderung der Schulentwicklung". Er warnte vor dem "Steuerungswahn" übertriebener Evaluation in einer Zeit, in der junge Menschen zu "Selbstverkäufern" werden müssten. Weiterhin führte er anhand von Beispielen aus den USA und England aus, welch korrumpierende Wirkung Wettbewerbsdruck auf Lehr- und Leitungspersonen haben kann. Schönig betonte, dass Marchtaler-Plan-Schulen "Gegenschulen" zu all diesen Trends sein könnten, da sie "das christliche Menschenbild jeglichem Utilitarismus entgegenstellen". Die Pädagogik der Katholischen Freien Schulen der Diözese Rottenburg-Stuttgart müsse mehr publik gemacht werden, wobei stets zu beachten sei, dass deren Realisierung an den einzelnen Schulen selbstverständlich unterschiedlich, also individuell, zu vollziehen sei, so Schönig weiter.

Dr. Joachim Schmidt, Stiftungsdirektor der SKFS der Diözese Rottenburg-Stuttgart, hielt unter dem Titel "Ein Bewusstsein von dem, was fehlt… - der (Bildungs-)Auftrag in Katholischen Schulen in der Welt von heute" den abschließenden Vortrag des Kongresses. Er betonte: "Das Wichtigste ist, dass Kinder und Jugendliche an unseren Schulen Menschen begegnen, die sie mögen, die ihnen gut sind, die sie gut heißen." Überdies legte Schmidt dem Auditorium nahe, dass Schule stets ein integraler Ort sein müsse und dass der Marchtaler Plan Teil dieser Kultur sei, die "Schule anders werden" lasse. Als "Herausforderungen" unserer Zeit bezeichnete der Stiftungsdirektor unter anderem den "wahrheitsorientierten Austausch mit Andersglaubenden" sowie das Streben danach, "die Sprache (zu) finden, die die Menschen verstehen". "Der Schatz des Marchtaler Plans ist kein Schatz, den wir vergraben dürfen", so Schmidt weiter. Man müsse die biblischen Geschichten ernst nehmen und im modernen christlichen Sinne umsetzen, zu jeder Zeit neue Wege gehen und dürfe sich auch nicht auf den bisherigen Errungenschaften des Marchtaler Plans ausruhen.

Einen Höhepunkt des Marchtaler-Plan-Kongresses bildete der Gottesdienst in der Basilika St. Ulrich und Afra mit Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger und Pater Erhard Hinrainer vom Kloster Metten. Der Weihbischof zitierte Papst Franziskus, dass man bei der Erziehung "ein Gleichgewicht halten" und die einzelnen "Schritte gute abwägen" müsse, ganz nach dem Motto: "Ein fester Schritt im Rahmen der Sicherheit, aber der nächste in die Zone des Wagnisses." Weiterhin in Anlehnung an den Papst wurden die Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher dazu aufgerufen, keine "Antiquitätensammler" zu sein, sondern bis an die "äußersten Ränder der Gesellschaft" zu gehen. Die Nöte der Menschen seien mehr und mehr geistiger Art und somit auch in unserer materiell recht gut situierten Gesellschaft vorhanden.

Neben den allgemeinen Vorträgen konnte jeder Kongressteilnehmer auch an zwei frei wählbaren Workshops teilnehmen, die in der Mädchenrealschule St. Ursula Augsburg stattfanden. Auf dem Programm standen neben global informativen auch ganz themenspezifische Kurse wie zum Beispiel "Schüler- und Jahresbriefe" oder "Freie Stillarbeit – eine Säule des Marchtaler Plans".

Auf dem "Marktplatz der Möglichkeiten" präsentierten verschiedene Einrichtungen sämtlicher Schularten anhand liebevoll gestalteter "Marktstände" neben ihren Umsetzungskonzepten auch konkrete Beispiele angewandter Methoden und Arbeitsweisen. Hier hatten die Kongressteilnehmer ausgiebig Gelegenheit, sich gegenseitig auszutauschen, neue Ideen zu gewinnen und sich gegenseitig zu weiteren Entwicklungen zu inspirieren.
(Quelle: www.bistum-augsburg.de)

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