Leben in Santiago ist, sonntags bei Froilan zu tanzen, ein Asado im Kreise von Freunden und deren Familien zu essen, die Herzlichkeit und Offenheit der Menschen zu erleben, eingeladen zu werden mit den Worten: Fühl dich hier wie zu Hause.

Das Austauschprogramm

In Südamerika zu leben und zu arbeiten, unterscheidet sich sehr stark von unserem Alltag. Und deshalb bietet ein Praktikum in Santiago del Estero die große Möglichkeit, ganz andere Lebensbezüge kennen zu lernen, andere Perspektiven einzunehmen, sich selbst und die eigene Lebensplanung zu reflektieren, von der  Andersartigkeit des Anderen zu lernen.

Unser Praktikumsprogramm richtet sich an volljährige Schulabgänger – gerne auch schon mit Berufs- oder Studienerfahrung –, die an einer pädagogischen Arbeit in Santiago interessiert sind. Das Praktikum wird von argentinischer und deutscher Seite offiziell bescheinigt und wird im Fall eines einjährigen Freiwilligendienstes im Rahmen des Programms „Weltwärts“ finanziell gefördert und anerkannt. Das Praktikum kann als Hilfslehrer, in der Hausaufgabenbetreuung, in AGs, im Erziehungsdienst oder anderen sozialen, sozialpädagogischen und pastoralen Bereichen geleistet werden.

Das Praktikum dauert in der Regel zwölf Monate. Für Unterkunft und Verpflegung sorgen die Sede Administrativa de las Escuelas Diocesanas und die Stiftung Katholische Freie Schule. Die übrigen Kosten müssen von der Praktikantin / dem Praktikanten getragen werden. Eine Förderung zu den Bedingungen des Bundesförderprogramms "weltwärts" sind möglich.

Bewerbungsschluss für ein Praktikumsjahr ab August ist der 20. November des Vorjahres.

Wichtig:
Bewerbungen bitte mit Motivationsschreiben, Lebenslauf,
Kopie des letzten Zeugnisses und eventuell Bescheinigungen über
ehrenamtliches Engagement.

Berichte von Praktikanten

Carmen

Freundschaften schließen und neue Kulturen kennen lernen

Santiago del Estero ist anders. Als ich vor etwa einem Jahr das erste Mal vom Praktikumsprogramm der Schulstiftung erfuhr, das erste Mal Mate trank und den Erzählungen einer meiner Vorgängerinnen lauschte, hatte ich ein völlig anderes Bild vor Augen, als ich Santiago in diesem Moment erlebe. Ja, es ist heiß hier und meistens ziemlich trocken. Ja, die Städte liegen ziemlich weit voneinander entfernt und ja, die Landschaft in der heißesten Provinz Argentiniens kann mit dem Grün der Schwäbischen Alb einfach nicht mithalten. Nichtsdestotrotz möchte ich keinen Augenblick hier in Santiago missen.

Die Verbundenheit der Santiaguener mit der Natur, die Gelassenheit der Menschen, der Stolz auf die eigenen Wurzeln und das argentinische Temperament im Blut drücken sich in keiner anderen Form so gut aus wie in der Folklore. Egal ob getanzt, gesungen oder erzählt, die Geschichten und Realitäten die in der Folklore zur Sprache kommen, gehen unter die Haut. Leidenschaftlich musizieren Gitarristen, Violinisten und Bombospieler, um gemeinsam singend ihren Instrumenten die Töne zu entlocken, die einer „Chacarera“ oder „Zamba“ einen unvergesslich schönen, fröhlichen oder auch melancholischen Flair verleihen.

In meinem alltäglichen Leben steht die Arbeit in der weiterführenden Schule „San Roque“, sowie in den Kirchengemeinden „la Inmaculada“ und „Santa Rosa de Lima“ im Vordergrund. Ich nehme an der Kochwerkstatt und am Sportunterricht teil. Außerdem unterstütze ich die „Preceptores“, die für die Anwesenheitskontrolle, Aufsicht und den Vertretungsplan zuständig sind, gebe Deutsch- und Englischunterricht, helfe bei der Pastoralarbeit und versuche die Schüler fürs Theaterspielen und „Jugend debattiert“ zu begeistern.

Abgesehen davon bin ich aktiv bei der Jugendgruppe der Kirchengemeinde „la Inmaculada“ dabei und singe im Jugendkirchenchor. Wie auch in unserer Diözese gestalten die Jugendlichen hier den Gottesdienst mit, leiten Firm- und Erstkommunionsgruppen, organisieren Muttertagsfeste und Krippenspiele und veranstalten Besinnungstage, so genannte „Retiros“. Die Arbeit dort bereitet mir große Freude und die Aufgeschlossenheit der Jugendlichen hat mir einen schnellen Einstieg in die Gruppe ermöglicht. Wer gerne neue Bekanntschaften schließt und Freude am Kennenlernen von Kulturen hat, dem kann ich das Santiago-Praktikum nur empfehlen!

Marie

Weihnachten in Santiago del Estero

Was es bedeutet, Weihnachten das erste Mal im Leben nicht im Wollpullover zuhause, mit Mama, Papa, Tante, Onkel, Oma und Opa unterm Weihnachtsbaum, vorm Kamin, wahrscheinlich sogar mit Schnee, zumindest aber mit ziemlicher Kälte zu feiern, erleben wir gerade. Es ist irgendwie grotesk, zum Nikolaus einen Eisgutschein geschenkt zu bekommen.

Unsere eigenen Weihnachtsvorbereitungen sind in vollem Gange, wir fünf haben uns gegenseitig Adventskalender gebastelt, was jeden Tag eine große Freude ist.  Wer hätte es gedacht, Spritzgebäck, Ausstecherle und Spitzbuben schmecken auch bei 40°C. Gelagert werden müssen sie eben im Kühlschrank (aber im Casa Loca bleibt Essen so oder so nie lang liegen). Natürlich sind wir schon voller Vorfreude auf ein Weihnachtsfest draußen auf der „vereda“, vielleicht argentinisch mit Asado, vielleicht aber doch mit Braten und gutem schwäbischen Kartoffelsalat, da sind wir noch unentschlossen. 

Patricia

Worte die man auf spanisch unbedingt kennen sollte: Bitte sei leise. Setz dich. Hör mir zu.

In der ersten Woche besuchten wir verschiedene diözesane Schulen Wir Praktikanten wurden den Rektoren und Lehrern vorgestellt und sollten in einigen Klassen den Schülern über uns und Deutschland erzählen.

Am Wochenende wurden wir von einer Rektorin und ihrem Ehemann, der auch Lehrer ist, eingeladen um die vielen Eindrücke zu sortieren und auszuruhen. Die Offenheit und Gastfreundschaft ist eine Eigenschaft, die die Santiagener ganz besonders auszeichnet: auf andere zuzugehen und sie an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Gemeinsam haben wir ein deutsch-argentinisches Essen zubereitet mit Spätzle, Empanadas und Pizza.

Für den Anfang arbeite ich jeden Vormittag in der Schule Fatima, einer „primaria“, also einer Grundschule. Meine Aufgabe ist es die älteren Schüler zwischen 10 und 11 Jahren in Englisch zu unterrichten, im Sekretariat zu helfen, eine körperlich behinderte Schülerin im Sportunterricht zu betreuen und lernschwache Kinder im Unterricht zu begleiten.

Ich habe großes Glück in dieser Schule arbeiten zu dürfen und fühle mich dort sehr wohl. Die Kinder und Lehrer sind sehr herzlich, haben mich schnell aufgenommen und helfen mir mein Spanisch zu verbessern. Und hin und wieder bekomme ich eine Zeichnung oder auch ein Armband geschenkt.
Meine ersten Unterrichtsstunden verliefen einigermaßen gut, ich muss aber dringend noch folgende Sätze auf Spanisch zu lernen: Bitte sei leise. Setz dich. Hör mir zu.

Die Chronik der Partnerschaft

Das Zweite Vatikanische Konzil als Beginn

Die Freundschaft zwischen den Diözesen Santiago del Estero und Rottenburg-Stuttgart geht auf die Begegnung zweier Bischöfe beim zweiten vatikanischen Konzil zurück.

Bischof Dr. Manuel Tato und Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht saßen während des Konzils nebeneinander und es entwickelte sich eine intensive Freundschaft.
Jeden morgen, vor der Konzilssitzung, stellte Bischof Tato ein Bildchen des Heiligen Karl Borromäus (Namenspatron von Bischof Leiprecht) vor sich auf den Tisch und betete mit lauter Stimme, dass alle es hören konnten, die sich in der Nähe befanden: „Heiliger Karl Borromäus, bewege doch das Herz meines Nachbarbischofs, dass er mir zwei Priester sende.“

Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine Partnerschaft, die mittlerweile auf drei starke Säulen und viele Jahre gemeinsame Arbeit bauen kann:

  • Austausch von Priestern, Laienmitarbeitern und Gemeindepartnerschaften
  • Gemeinsame Projekte: Bauprojekte, soziale Projekte, Pastorale Projekte
  • Schulwesen: Schulpartnerschaften, Briefkontakte, Praktikumsprogramm

Was bisher geschah

2007 brachen die ersten „Pioniere“ nach Santiago auf. Seitdem reist jedes Jahr eine Gruppe deutscher Jugendlicher nach Santiago del Estero, um dort als Praktikanten in den verschiedenen bischöflichen Schulen wertvolle Erfahrungen zu sammeln, Freundschaften zu knüpfen und mehr über Argentinien, Leben, Kultur und Arbeit dort zu lernen. Die Lebendigkeit des Austausches ist bis heute ungebrochen, seit 2009 kommen regelmäßig argentinische Praktikanten nach Deutschland. Der Austausch ist also keineswegs eine Einbahnstraße.

2001:

  • Bischof Fürst und Frau Jeggle besuchen Santiago del Estero

2004:

  • Silvia Carreras und Cecilia Rafael (Verantwortliche für bischöfliche Schulen)besuchen Rottenburg
  • Gründung der Arbeitsgruppe Santiago in Deutschland

2005:

  • Dr. Saup und Herr Swacek besuchen Santiago del Estero

2007:

  • Start des Praktikumsprogamms

2008:

  • 2. Praktikantengruppe

2009:

  • Besuch des santiaguenischen Bischofs Polti in Rottenburg
  • 3. Praktikantengruppe
  • Erste Gruppe santiaguenischer Praktikanten kommen nach Deutschland
  • Interkulturelle Begegnungstage

2010:

  • 4. Praktikantengruppe
  • 2. Runde santiaguenischer Praktikanten in Deutschland

2011:

  • Praktikantengruppe
  • Silvia Carreras und Ibette Ovejero (1. santiaguenische Praktikantin) besuchen Rottenburg

2012:

  • 6. Praktikantengruppe
  • Runde santiaguenischer Praktikanten in Deutschland
  • Gründung des Rundbriefs “Tinkunakuy-Vivir el Encuentro“

2013:

  • 7. Praktikantengruppe
  • Großer Studientag am Studienkolleg Obermarchtal und in den Schulen der Diözese Santiago del Estero. Thema: Vergiss die Armen nicht – Armut und Gerechtigkeit in Deutschland und Argentinien
  • Eröffnung der Foto-Wanderausstellung Donde late el corazón – Herzschlag Argentinien

2014:

  • 8. Praktikantengruppe
  • Besuch der Verantwortlichen aus Santiago del Estero in Rottenburg

2015:

  • 9. Praktikantengruppe
  • Großer Studientag am Sankt Meinrad Gymnasium Rottenburg und in den Schulen der Diözese Santiago del Estero
  • Besuch des neu ernannten Bischofs Santiago del Esteros, Vicente Bokalic in Rottenburg

2016:

  • 10. Praktikantengruppe

2017:

  • 11. Praktikantengruppe
  • Große Jubiläumsfeierlichkeiten in Santiago del Estero und Rottenbug, Bischof Vicente Bokalic, Silvia Carreras und Padre Sergio Quinzio zu Gast in Rottenburg

2018:

  • 12. Praktikantengruppe
  • Neu entwickeltes Angebotspaket des Freundeskreises Tinkunakuy für die Stiftungsschulen

Kontakt

Eva Schneck
Projektkoordination
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