Verschiedenheit ist ein wichtiges Zukunftsthema für die SKFS

Liebe Kolleg*innen an den katholischen Schulen,

die Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens der Diözese München und Freising wie auch der Film „Wie Gott uns schuf“ der Initiative OutInChurch hat in den letzten Wochen für erhebliche Schlagzeilen gesorgt – bei uns in Rottenburg vermutlich ebenso wie bei Ihnen an den Schulen vor Ort. Viele Menschen haben sich in diesen Berichten, aber auch in den Wochen danach zu Wort gemeldet und ihre Geschichte erzählt. Es sind Geschichten, die aufwühlen, erschüttern, zornig machen, weil es Geschichten sind, die ans Licht bringen, mit wie viel Angst, Scham, Verunsicherung Menschen in unserer Kirche leben mussten und müssen.

Sie alle, die an einer Katholischen Schule arbeiten, sind derzeit wahrscheinlich von vielen Seiten her angefragt. Zuallererst sind da natürlich unsere eigenen Fragen: Kann und will ich als Teil einer Kirche arbeiten, die in der Vergangenheit so wenig Engagement zeigte, Missbrauchsfälle aufzuarbeiten und die auch jetzt noch Menschen dazu bringt, ihre sexuelle Identität und Orientierung zu verleugnen oder zu verbergen. Dann sind da aber auch die Fragen von außen, von denen, die uns als Vertreter*innen der Kirche ansehen und uns mit ihrer Wut und Häme konfrontieren.

Als Vorstände der Stiftung Katholische Freie Schule sagen wir es an dieser Stelle ganz deutlich: Auf der Grundlage unseres jüdisch-christlichen Menschenbildes, auf der Grundlage des Marchtaler Plans sehen wir in jedem unserer Schüler*innen, in jedem unserer Mitarbeiter*innen, in jedem Menschen das leuchtende Ebenbild Gottes, das Geschöpf, das von ihm gewollt und geliebt ist – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, unabhängig auch von den Veränderungen und Brüchen in seiner Biografie. Dies muss Kirche, dies müssen wir als kirchlicher Arbeitgeber leben und realisieren.

Niemand von Ihnen als unsere Mitarbeiter*innen muss aus Gründen seiner sexuellen Identität und Orientierung oder aufgrund bspw. einer Wiederverheiratung nach Scheidung um seinen Arbeitsplatz fürchten. Dies haben wir in der Vergangenheit so gehandhabt undwerden das auch weiter so tun. Sollten Sie selbst aufgrund Ihrer Situation, die vielleicht in diesem Kontext nicht angesprochen wurde, in Sorge sein, sprechen Sie uns bitte an und wir werden eine Lösung finden – das sagen wir Ihnen als Vorstand zu. Die mutigen Schritte der Menschen, die im Rahmen von OutInChurch an die Öffentlichkeit gegangen sind, haben gezeigt, dass nur so Veränderung erreicht werden kann.

Mit dieser Zusage sind aber bei weitem nicht alle Fragen geklärt, die dringend und zeitnah gelöst werden müssen: die Frage der Missio Canonica bspw., für die derzeit an einer grund-legenden Veränderung gearbeitet wird; die Frage der Besetzung von Leitungsfunktionen an unseren katholischen Schulen, für die wir zeitnah eine Orientierungshilfe vorlegen möchten; vor allem aber steht eine grundlegende Reform des kirchlichen Arbeitsrechts an, die derzeit auf dem Weg ist und auch von unserem Generalvikar maßgeblich unterstützt wird.

Wir brauchen ganz besonders dringend auch eine Orientierung für die jungen Menschen, die gerne an einer unserer Schulen arbeiten möchten, sich aber derzeit unsicher sind, ob sie mit diesem Schritt nicht ein unkalkulierbares Risiko eingehen. Hierfür möchten wir eine Broschüre veröffentlichen, die klar und deutlich formuliert, dass die Schulstiftung Verschiedenheit und Vielfalt als notwendige und willkommene Bereicherung in ihren Einrichtungen wünscht und ausdrücklich fördert. Nicht zuletzt muss auch bei den Schüler*innen ankommen, wofür unsere Schulen stehen. Wir begleiten viele junge Menschen in einer Zeit höchst sensibler sexueller Orientierung. Sie brauchen unsere Offenheit für die Fragen, die sie mitbringen und mit denen sie oft genug alleine gelassen werden.

Als Schulstiftung werden wir uns dem Thema Verschiedenheit in den kommenden Jahren verstärkt zuwenden – hierzu gehört für uns die religiöse Vielfalt ebenso wie Verschiedenartigkeit der Lebenswege und Lebensentwürfe bis hin zur eben thematisierten sexuellen Orientierung.

 

Zu einem ersten offenen Austausch möchten wir Sie im Rahmen einer Online-Veranstaltung am 11.3.2022 von 16 bis 18 Uhr einladen.

Wir möchten in der aktuellen Situation Raum für Fragen, Erfahrungen und Positionen geben, aber auch „blinde Flecken“ in unserer eigenen Organisation aufdecken und „Vielfalt in der Schulstiftung“ zum Thema machen. Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, mit Herrn Andreas Kratel einen der Protagonisten des Films „Wie Gott uns schuf“ als einen unserer Gäste zu gewinnen. Nähere Informationen werden wir Ihnen zeitnah zukommen lassen. Wir freuen uns, wenn Sie sich den Termin schon einmal vormerken und wenn Sie sich die Zeit für eine Teilnahme nehmen – und gerne auch Kolleg*innen dazu einladen.

Wir verstehen diese Veranstaltung als Auftakt, um uns gemeinsam mit Ihnen auf einen Lernweg zu begeben und an einer Kultur des Respekts und des Vertrauens weiterzuarbeiten, in der jede*r sich willkommen fühlt.

Ihnen allen möchten wir danken, dafür, dass Sie jenseits aller kirchlichen Diskussionen jeden Tag in Ihren Begegnungen mit den Schüler*innen und unter Kolleg*innen ein Stück der frohen und Mut machenden Botschaft des Evangeliums leben. Sie machen die Hoffnung, die uns trägt, erfahrbar und konkret. Wir versprechen Ihnen, dass wir uns für eine solche lebendige und vielfältige Kirche einsetzen! Wir danken Ihnen, wenn wir gemeinsam diesen Lernweg gehen und freuen uns darauf, Sie am 11.3.2022 bei unserer Online-Veranstaltung begrüßen zu dürfen!

Dr. Joachim Schmidt und Roland Grimmelsmann
Vorstände der Stiftung Katholische Freie Schule

 

Mehr Informationen zur Initiative #outinchurch

Unterrichtsmaterial zum Download:

Material für den Religionsunterricht

Material für den Morgenkreis

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